Print Medien vs. Web Design

Zweimal Design, und zwei verschiedene Welten. Wo liegt aber eigentlich der genaue Unterschied zwischen Print- und Web-Design? Ist das nicht doch beides irgendwie das Gleiche? Kann man da nicht einfach ein einziges Design entwerfen und es in die Kataloge und die Webseite klatschen? So einfach ist es eben nicht: beide Medien stellen an den Designer völlig andere Ansprüche. Wie diese aussehen und was die Unterschiede sind, hat mir Jochen Ehmler, Geschäftsführer von Lettershop.de (spezialisiert auf Mailing Service via Postwurfsendung) in einem kurzen Interview beantwortet.

 

Print-Design: ruhig mal aus dem Vollen schöpfen

flyerBeim Print sollte der Designer ruhig schwere Geschütze auffahren„, so Ehmler: anspruchsvolle Gestaltung, Bilder in Topqualität, und alles nur vom Feinsten. Schließlich wird ein Katalog meist mehrfach durchgeblättert, daher muss er dem Auge schon etwas bieten können. Zudem will der Inhalt wohlüberlegt sein. Im Gegensatz zu einer Webseite, die nachkorrigiert werden kann, ist der Druck, sobald das Layout beschlossen ist, nicht mehr zu ändern. Verlinkungen sind auch nicht drin, zudem ist eine schnelle Aktualisierung auch nicht möglich, und das beworbene Produkt kann schon ein paar Wochen nach Erscheinen des Katalogs ausverkauft sein. Andererseits hat das Printformat natürlich auch seine Vorteile: erstens kann der Designer wie erwähnt grafisch aus dem Vollen schöpfen, außerdem braucht er sich nicht um verschiedene Bildschirme und Grafikkarten Gedanken zu machen, denn der Content ist so ausgedruckt und übersichtlich in seiner Form und benötigt zum Lesen keine technischen Hilfsmittel.

 

Web-Design: Weniger ist mehr

Weniger ist manchmal mehr. Das wussten nicht nur die alten Römer, das wissen auch die Webdesigner von heute. Große, nur langsam zu ladende Bilddateien und überfrachtete Texte würden hier nur stören, es gilt das Gesetz des Minimalismus und der Übersichtlichkeit. Der Besucher der Webseite soll sich möglichst schnell und unkompliziert einen Überblick verschaffen können. Was daran gespart wird, sollte vor allem durch Interaktivität und Dynamik wettgemacht werden. Inhalte, die eine aktive Beschäftigung mit dem Präsentieren ermöglichen, sind generell interessanter.

web design

Zudem kann der Webdesigner bei der multimedialen Ausgestaltung einer Webseite wiederum seiner Kreativität freien Lauf lassen und Text, Bild, Video und Ton zum Einsatz bringen. Dabei gilt es aber zu beachten, dass die Webseite nicht auf jedem Rechner genau gleich erscheint. Auf einem älteren Desktop-PC wird sie anders erscheinen als auf einem modernen Laptop oder anderen Mobilgeräten, und auf diesen wiederum können unterschiedliche Software und Browser sein. „Für alle diese Eventualitäten muss der Webdesigner gerüstet sein und das Design dementsprechend flexibel gestalten. Deshalb arbeiten wir auch nur mit Webdesignern zusammen, die sich dessen bewusst sind“, so der Geschäftsführer. Auch die mannigfaltigen Verlinkungen stellen eine Herausforderung dar, dem das Design gewachsen sein muss.

 

Unterschiede & Gemeinsamkeiten

Print und Web Design sind zwei Paar Schuhe, und kein Web Design kann einfach auf Print übertragen werden und umgekehrt genauso wenig. Als Faustregel kann hier festgehalten werden, dass der Print eher etwas fürs Auge bieten sollte, die Webseite hingegen etwas für die Hand. Ein Katalog muss vor allem ästhetisch überzeugen, denn man kann nicht viel mit ihm anstellen, außer ihn zu betrachten. Eine Webseite hingegen darf nicht überfrachtet sein und muss dem Besucher Interaktität bieten. Diese sollte für alle Web Designer im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen, denn gerade hier besteht in Zukunft noch viel Wachstumspotential.