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Emojis und wie man sie missverstehen kann

Wie oft bekommt man nicht eine Nachricht mit einem Emoji und fragt sich dann, was er eigentlich genau darstellt ? Ein Paradebeispiel ist der Emoji „grinsendes Gesicht mit lächelnden Augen“, bei dem unklar ist, ob es sich um Zeichen der Zufriedenheit oder eher um ein aggressives Zähnefletschen handelt. Auf iPhones sieht er nämlich anders aus als auf anderen Smartphones. Mit der immer weiteren Verbreitung von Emojis in der Alltagskommunikation kommt nun auch die Frage auf, ob angesichts der Missverständnisse, die sie oft auslösen, nicht eine Vereinheitlichung nötig sei.

Schließlich ist die grundlegende Erwartungshaltung in der Kommunikation ja die, dass beim Empfänger das ankommt, was der Sender meint. Wird die Botschaft aus technischen Gründen verändert, kann das leicht zu Missverständnissen führen. Schließlich sind die Symbole Stellvertreter für nonverbale Kommunikation- und die kann sehr wohl über den Sinn einer Botschaft entscheiden. Nicht umsonst heißt es oft, dass der Ton die Musik macht. Konservativen Gemütern mag es missfallen, dass die Kommission des Oxford-Wörterbuchs den Emoji „Gesicht mit Freudentränen“ zum Wort des Jahres 2015 gekürt hat. Er ist aber nunmal der meistgenutzte Emoji unter den über tausend Symbolen, die jede Plattform mittlerweile anbietet, und es gibt einfach kein Entrinnen mehr. Immerhin enthalten fast 50 % aller auf Instagram gesendeter Nachrichten mindestens einen Emoji, im Facebook-Messenger ist es fast bei 10 % der Fall.

 

Interpretationen gehen stark auseinander

Studien wie jene, die kürzlich an der Universität von Minnesota durchgeführt wurde, zeigen jedoch, dass die Bedeutung von Emojis keinesfalls klar ist. 300 Testprobanden wurden hier verschiedene Emojis vorgelegt, um sie zu interpretieren. Die Probanden waren sich hierbei keinesfalls einig, was genau ein bestimmter Emoji ausdrücken soll. Dass es von ein und demselben Emoji je nach Plattform auch noch verschiedene Ausführungen gibt, machte die Sache dabei nicht einfacher. So kann es schonmal vorkommen, dass ein nettes Gesicht beim Empfänger als Alien ankommt. Die jüngere Generation ist hierbei auf mögliche Unklarheiten eher gefasst und fragt notfalls nach, was genau gemeint ist.

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Die Forscher der Universität Minnesota empfehlen deshalb eine Standardisierung der Emojis. Ein möglicher Ansprechpartner hierfür besteht bereits: das Unicode-Konsortium, das allseits darum bemüht ist, dass sich Computer untereinander verstehen, egal ob sie auf chinesisch, arabisch oder russisch funktionieren. Emojis fallen auch in ihren Zuständigkeitsbereich. Die Richtlinien sind hier allerdings sehr grob umrissen. Wie ein Emoji im Einzelfall aussieht, entscheiden die jeweiligen Plattformen und Hersteller selbst, während das Konsortium nur eine grobe Beschreibung und ein Beispiel liefert. Deshalb sehen die verschiedenen Design oftmals sehr unterschiedlich aus: das glänzend schattierte Design von Apple steht dem matten und einheitlichen von Google gegenüber.

 

Bald ein eigener Duden für Emojis?

Braucht man überhaupt diese ganzen Emojis? Geht es nach Jeremy Burge, Betreiber der „Emojipedia“, so kann es gar nicht genug davon geben. Schließlich seien Emojis so vielfältig wie die Menschen, die sie benutzen, und wenn ihr Lieblingsgericht oder ihr Beruf nicht dabei ist, würden sie eben einfach eine Lücke füllen. Tatsächlich bleiben kaum Wünsche offen. Allein im Juni sind die Emojis niesendes Gesicht, Selfie-Pose, Adler und Radschlag hinzugekommen. Burges Sammlung umfasst die Emojis von einem guten Dutzend Plattformen. Er selbst ist aufgrund seiner Verdienste sogar zum Mitglied des Unicode-Konsortiums ernannt worden.

Burge beobachtet bei den Emojis einen klaren Trend zu Vereinheitlichung. So plane Android derzeit, seine bisher roboterartigen Emojis zu vermenschlichen und somit jenen von Apple ähnlicher zu machen. Dem Projekt einer kompletten Vereinheitlichung steht Burge jedoch skeptisch gegenüber. Zu unklar sei es, wie das erreicht werden soll, auch wenn dadurch sicher Missverständnisse verschwänden. Facebook ist hier Vorreiter und hat nun die Emojis für alle Plattformen, ob Android, iPhone oder Browser, vereinheitlicht. Damit sind aber Missverständnisse in der Kommunikation noch nicht vollständig abgeschafft. Schließlich sind auch die kommunizierenden Menschen unterschiedlich, und gerade, wenn man eine Person nicht gut kennt, kann man sich schonmal fragen, ob sie einen bestimmten Emoji einfach nur aus Gewohnheit oder aus gutem Grund benutzt.

Das Unicode-Konsortium stellt zudem klar, dass Emojis niemals eine universelle Sprache sein könnten. Da sie kein Vokabular und keine Grammatik haben, fehle ihnen dazu jede Vorraussetzung.